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Der Tauwurm (Lumbricus terrestris), auch Aalwurm oder Gemeiner Regenwurm genannt, zählt innerhalb der Familie der Regenwürmer (Lumbricidae) zur Gattung Lumbricus.

Aufgrund seiner regen Aktivitäten hieß er im 16. Jahrhundert Reger Wurm, davon wurde der Trivialname Gemeiner Regenwurm abgeleitet. Auf Regen reagiert der Tauwurm besonders empfindlich, da die Gänge und Röhren überflutet werden und somit die Gefahr besteht, daß der Tauwurm ertrinkt. Aufgrund dessen kommt er bei Regen auch an die Erdoberfläche. Ebenfalls meidet der Tauwurm grelles Tageslicht oder die Sonne, da die UV-Strahlen die roten Blutkörperchen zerstören.

Beschreibung: Der Tauwurm ist die bekannteste und weit verbreiteste Art der Regenwürmer in Europa und spielt eine wichtige Rolle zur Belüftung und Düngung des Bodens. Er erreicht eine Körperlänge von 90 bis 300 Millimeter und einen Durchmesser von sechs bis neun Millimeter. Der rotbraune Körper besteht aus einer Vielzahl hintereinander liegender Ringe, die am Vorderende und am Hinterende allmählich abnehmen und dann spitz auslaufen. Die Verjüngung am Hinterende kann im Gegensatz zu dem ansonsten zylindrischen geformten Körper abgeplattet sein. Am Ende des vorderen Körperdrittels befindet sich eine verdickte heller gefärbte Manschette. Vom Vorderende, bis zu der Manschette, die auch Clitellum genannt wird, ist der Tauwurm sowohl auf der Bauch- als auch auf der Rückenseite intensiv gefärbt. Von dort bis ungefähr zum 50. Segment fehlt die Pigmentierung auf der dadurch heller erscheinenden Bauchseite.

In den folgenden Segmenten bis zum Schwanz nimmt auch die Färbung der Rückenseite kontinuierlich ab. Auf der dorsalen Medianen bleibt jedoch ein feiner brauner Streifen bis zum Körperende erhalten. Mit bloßem Auge erkennt man nur die Mund- und Afteröffnung. Eine Art Oberlippe der Kopflappen überwölbt am Kopfende den Mund. Dieser führt in den Darm, der den ganzen Körper des Tauwurms von vorne bis hinten durchzieht. Am Hinterende des Tauwurms befindet sich der After. Die Augen fehlen beim Tauwurm, dafür ist am Vorderende und Hinterende sehr lichtempfindlich und reagiert auf jede Erschütterung des Erdbodens. Auch über Ohren verfügt der Tauwurm nicht, er ist taub. Das Nervensystem beim Tauwurm ist jedoch hoch entwickelt.

Wenn sich der Tauwurm fortbewegt, dann verändert sich die Körperlänge und der Körperdurchmesser analog zu der Größe der Segmente. Dies ist auf den Hautmuskelschlauch zurückzuführen, der den gesamten Körper des Tauwurms umhüllt. Der Hautmuskelschlauch kann sich zusammenziehen, wobei sich die Größe der Segmente und die Körperform verändern. Der Tauwurm wird dicker und kürzer. Die Segmente, die ebenfalls zylindrisch geformt sind, tragen an den Seiten Borsten. Diese Borsten bestehen aus Chitin und Proteinen und können mit Hilfe besonderer Muskeln bewegt werden. Die Anzahl der Segmente nimmt mit dem Alter des Tauwurms zu. Die Hautoberfläche des Hautmuskelschlauches wird von einer Schleimschicht bedeckt. Diese Schleimschicht hält den Tauwurm besonders feucht und unterstützt dadurch die Hautatmung.

Des weiteren erleichtert die Schleimschicht das Kriechen durch die Erde und schützt die empfindliche Haut des Tauwurms. Innerhalb des Hautmuskelschlauches ist die Muskulatur die am mächtigsten entwickelte Schicht. Auf eine einschichtige Epidermis die einige Drüsen- und Sinneszellen enthält und nach außen eine Cuticula abscheidet, folgt eine Ringmuskelschicht und weiter innen die dicke Längsmuskelschicht. Mit Hilfe dieser Muskulatur bewegt sich der Regenwurm kriechend fort. Besonders erwähnenswert ist die Regeneration des Tauwurms. Der Tauwurm besteht aus 180 Segmenten und wenn am Kopfende mehr als 15 Segmente fehlen oder verletzt sind, so wächst dem verbliebenen Schwanz kein neuer Kopf mehr nach und der Tauwurm muß verenden. Dagegen kann er ohne Schwanz überleben, denn das Hinterende ist regenerationsfähig. Auch diese Fähigkeit nimmt zum Kopfende hin ab. Ein kurzes Kopfende kann daher keinen neuen Schwanz erzeugen.

Verbreitung: Der Tauwurm ist in ganz Europa verbreitet und wurde zum Teil in andere Länder eingeführt. Er ist ein terrestrischer Bohrgräber und lebt in den Wiesen sowie in den Wäldern und bevorzugt insbesondere Lehmböden. Reinen Sand meidet der Tauwurm, da der Sand die Haut und den Verdauungstrakt reizt. Am zahlreichsten trifft man den Tauwurm in Gärten an, dort gräbt er bis zu drei Meter tiefe Gänge und Röhren, dabei durchwühlt er den Boden intensiv, stabilisiert die Gänge und Röhren beim Durchkriechen mit Kot und sorgt somit für eine gute Belüftung und Düngung des Bodens. Charles Darwin schätzte, dass eine Population von Tauwürmern 100 Tonnen Boden pro Hektar in einem Jahr verschieben kann. Den Winter verbringen die Tauwürmer zusammengeballt in größerer Tiefe liegend in einer Kältestarre.

Prädatoren: Zu den natürlichen Feinden des Tauwurms gehören unter anderem einige Insekten (Insecta), Fische (Osteichthyes), Frösche (Ranoidea), Kröten (Bufonidae), Laufkäfer (Carabidae), Tausendfüßer (Myriapoda), [1] Schlangen (Serpentes), Echsen (Lacertilia), Spitzmäuse (Soricidae), Igel (Erinaceidae), Maulwürfe (Talpidae), Waschbären (Procyon), Vögel (Aves) aller Art und Bären (Ursidae) sowie der Mensch, der ihn als Köder beim Angeln benutzt.

Ernährung: Der nachtaktive Tauwurm ernährt sich vorwiegend von verrottenden Pflanzenteilen und von humusreicher Erde sowie von Bodenmikroorganismen wie zum Beispiel Protozoen, Fadenwürmer, Bakterium und Pilze. Hin und wieder nimmt der Tauwurm auch Aas zu sich.

Fortplanzung: Wenn die verdickte helle Manschette (Clitellum) sichtbar wird, so hat der junge Tauwurm die Geschlechtsreife erreicht, die etwa mit einem Jahr beginnt. Der Tauwurm ist ein Hermaphrodit, das bedeutet, dass er in einem Stadium seines Lebens sowohl männliche, als auch weibliche Geschlechtsorgane besitzt. Er kann sich jedoch nicht selbst befruchten. Als simultaner Hermaphrodit erzeugt der geschlechtsreife Tauwurm in den warmen Jahreszeiten Ei- und Samenzellen kontinuierlich, wobei im Frühjahr die Produktion von Spermien etwas früher als die Eizellproduktion einsetzt. Eine weitere geschlechtsspezifische Asymmetrie ist beim Paarungsverhalten zu beobachten. Bei der Paarung kann es vorkommen, dass das kleinere Tier von seinem Paarungspartner aus seiner Wohnröhre heraus in dessen Wohnröhre hineingezogen wird. Die Gefahr in dieser Situation einem Fressfeind zum Opfer zu fallen ist für dieses Tier besonders hoch.

Im Hinblick auf die Fortpflanzungsrate ist dieses Paarungsverhalten, das der gegenseitigen Begattung vorausgeht, jedoch äußerst sinnvoll. Der größere - die weibliche Rolle übernehmende -Tauwurm mit seinem größeren Vorrat an reifen Eizellen im Eihalter wird hierdurch besser geschützt als der kleinere - die männliche Rolle übernehmende - Tauwurm. Die Entscheidung, wer von den beiden Paarungspartnern die weibliche und wer die männliche Rolle übernimmt, wird neben der Körpergröße von einer Vielzahl anderer Faktoren bestimmt. Nach der Begattung, besteht die Notwendigkeit, die Spermien bis zur Befruchtung der Eizellen sicher aufzubewahren und am Leben zu erhalten. An feuchten Tagen im Sommer tauchen die Tauwürmer auf, um sich zu paaren. Während der Begattung legen sich zwei Tauwürmer mit der Bauchseite aneinander, so dass sie über ihre Geschlechtsöffnungen die im Vorratsbehälter im Körperinnern gespeicherten Spermien austauschen und in die kugelförmige Einstülpungen zur Sperma-Aufbewahrung des Geschlechtspartners einführen können. Die Tauwürmer paaren sich mehrmals, etwa einmal bis zweimal in vierzehn Tagen. Für die Fortpflanzungsfähigkeit des Tauwurms ist die hohe Paarungsrate jedoch nicht unbedingt notwendig. Nach einer einmaligen Paarung ist der Tauwurm in der Lage etwa sechs Monate lang Eizellen zu befruchten. Die Fremdspermien befinden sich in einer Flüssigkeit. Diese Flüssigkeit enthält Substanzen, die der Ernährung der Spermatozoen dienen. Während der Paarung sind die beiden Tauwürmer von einer Schleimmanschette umgeben, in die der Tauwurm ein Eipaket abgibt, sobald die Eizellen reif sind. Während sich der Tauwurm aus der Manschette herauswindet, befruchten die gespeicherten Spermien die Eizellen. Die abgestreifte Manschette erhärtet an der Luft und bildet einen kleinen, ovalen, ockerfarbenen Kokon, der im Boden deponiert wird. Obwohl der Kokon mehrere Eier beherbergt, entwickelt sich meist nur ein Ei zu einem kleinen Tauwurm. Je nach Witterungseinflüssen dauert die Inkubationszeit etwa 90 Tage. Die Embryonen ernähren sich von dem Eiweiß, von dem sie umgeben sind und machen nur eine geringe Metamorphose zum Tauwurm durch. Nach wenigen Wochen schlüpfen die Jungwürmer aus diesem Kokon, die eine Körperlänge von einem Zentimeter aufweisen. Die Lebenserwartung des Tauwurms beträgt in der freien Natur etwa zwei Jahre. Er kann aber auch ein Alter von ungefähr acht bis zehn Jahren erreichen.

Datei:Tauwurm.jpg

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