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Sibirischer Tiger
Namen
Deutsch: Sibirischer Tiger, Amurtiger, Ussuritiger
Wissenschaftlich: Panthera tigris altaica
Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Großkatzen (Pantherinae)
Gattung: Eigentliche Großkatzen (Panthera)
Art: Tiger (Panthera tigris)
Unterart: Sibirischer Tiger (Panthera tigris altaica)
Merkmale
Größe: bis zu 110 cm (Schulterhöhe)
Länge: 190 cm - 220 cm (Kopf-Rumpf-Länge)
Gewicht: ca. 100 kg - 300 kg
Schwanzlänge: ca. 100 cm
Allgemeines
Lebensraum: Laubwald, Nadelwald, Flachland, Mittelgebirge (bis zu 1000 m hoch)
Ernährung: Fleischfresser
Lebenserwartung: 15 Jahre - 20 Jahre
Gefährdung
Gefährdungskategorie: EN
Der Sibirische Tiger, auch Amurtiger oder Ussuritiger genannt (wissenschaftlicher Name: Panthera tigris altaica), ist eine Unterart des Tigers, die in einem sehr kalten Gebiet, auf einem schmalen Küstenstreifen am Japanischen Meer, vorkommt. Er ist die größte lebende Katze der Welt, ist allerdings stark gefährdet. Es gibt nur noch geschätzte 500 Sibirische Tiger, die in Freiheit leben.

AussehenBearbeiten

Maße und GewichtBearbeiten

Der Sibirische Tiger ist die größte Unterart des Tigers. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt meist etwa 190 bis 220 cm, in Ausnahmefällen auch bis zu 280 cm. Die Schwanz ist ungefähr 100 cm lang, die Schulterhöhe misst bis zu 110 cm. Männliche Sibirische Tiger wiegen zwischen 180 und 306 kg, die Weibchen dagegen nur 100 bis 167 kg.

FellBearbeiten

Die Haarlänge des Sibirischen Tigers beträgt im Sommer 15 bis 17 mm, am Bauch ist das Fell etwa doppelt so lang. Das Nackenhaar ist meistens etwas länger. Das Winterfell hingegen ist wegen der klimatischen Verhältnisse bedeutend länger: die Rückenhaare haben dann eine Länge zwischen 40 und 60 mm, die Bauchhaare eine Länge von 70 bis 105 mm. Auch die Haare an Brust und Kehle sind verlängert, so dass die Großkatze aufgrund der recht langen Behaarung ein fast zottiges Aussehen hat.

Färbung des FellsBearbeiten

Der Sibirische Tiger ist meist deutlich heller gefärbt als die südlichen Tigerunterarten, obwohl die Bandbreite der Farbtönungen sehr unterschiedlich sein kann. So kommen auch Tiere mit dunkel rötlichem Winterfell vor. Das Weiß am Bauch und an den Ansätzen der Flanken ist ausgedehnter als bei anderen Unterarten und die Streifen sind oft nicht überall schwarz, sondern oft eher schwarzgrau oder graubraun. Ein dickes und langes Fell schützt ihn vor den niedrigen Temperaturen, die in seiner Heimat auf bis zu - 45 °C fallen können. Im Sommer ist das Fell allerdings wesentlich kürzer als im Winter. Darunter verbirgt sich am Bauch und an den Flanken eine bis zu 5 cm dicke Fettgewebsschicht, die ihm zusätzlich hilft, extreme Kälte zu überleben.

Rufe und LautäußerungenBearbeiten

Die Tiger sind für gewöhnlich still. Sie verfügen dennoch über ein recht großes Arsenal unterschiedlicher Laute. Am häufigsten gebe sie das weittragende, tiefe Brüllen vo sich, das etwa nach A-o-ung klingt und von den Tigern meistens mehrmals wiederholt wird. Es wird mit dem Paarungsverhalten in Zusammenhang gebracht. Beim Angriff stößt der Tiger oft einen kurzen, hustenartigen Brülllaut aus, der an einen dumpfen Schuss erinnert.

Datei:Verbreitungsgebiet Amurtiger.png

Vebreitung und LebensraumBearbeiten

VerbreitungBearbeiten

Der Sibirische Tiger bewohnt im Gegensatz zu seinen tropischen Verwandten sehr kalte Gebiete. Einst war das Verbreitungsgebiet dieser Unterart viel größer als heute und reichte vom Baikalsee bis nach Korea. Heute ist er auf einen schmalen Küstenstreifen am Japanischen Meer im Grenzgebiet zwischen Nordkorea, China und Russland beschränkt. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt im fernen Osten in Russland. Der Fluss Amur bildet heute die maximale Westgrenze seines Verbreitungsgebietes. Das gesamte verbleibende Verbreitungsgebiet des Sibirischen Tigers im fernen Osten Russlands ist geschätzte 153.000km² groß.

LebensraumBearbeiten

Der Sibirische Tiger ist sehr anpassungsfähig und bewohnt sowohl Laubwälder als auch Nadelwälder und Flachland sowie Mittelgebirge. Die meisten Gipfel im Gebiet des heutigen Verbreitungsgebietes liegen ohnehin nur 500 bis 800m über dem Meeresspiegel und nur wenige erreichen Höhen von mehr als 1000m. Der Sibirische Tiger scheint Wälder mit dichtem Bodenbewuchs zu bevorzugen, vermutlich um sich besser anschleichen und verbergen zu können.

Nahrung und JagdweiseBearbeiten

Der Sibirische Tiger muss pro Tag 9 bis 10 kg Fleisch zu sich nehmen, da er große Energiereserven benötigt, um bei der Kälte zu überleben. Seine Hauptbeutetiere sind Rothirsche, Wildschweine, Sikahirsche und Rehe. Außerdem jagd er auch Elche, Gorale, Luchse und gelegentlich sogar Bären. Manchmal reißt er auch Hunde und Hausvieh. Mit seinem kräftigen Körper kann der Sibirische Tiger auch sehr schwere Beute über weite Strecken tragen, um sie an einem ruhigen Ort zu fressen oder aufzubewahren.

Datei:Amurtiger (2).png

Der Sibirische Tiger verbringt viel Zeit mit der Jagd, da nur ein sehr kleiner Teil (10%) seiner Angriffe erfolgreich sind. Ein solcher Angriff beginnt mit dem Anschleichen an die Beute. Ist der Tiger nahe genug herangekommen, springt er mit einem gewaltigen Satz von hinten auf das Opfer, um seine Eckzähne in dessen Nacken zu schlagen. Mit seinen Hinterbeinen steht er fest auf dem Boden, um das Tier nach unten zu drücken. Größere Tiere werden danach mit einem Kehlenbiss getötet, kleinere Beutetiere sterben bereits an den Verletzungen im Nacken.

Lebensweise und FortpflanzungBearbeiten

LebensweiseBearbeiten

Der Sibirische Tiger lebt normalerweise als Einzelgänger und markiert sein Revier mit Urin und Kratzspuren. Außerdem hat er sehr hohe Raumansprüche. Die Streifgebiete der Weibchen sind etwa zwischen 200 und 400km² groß, die der Männchen 800 bis 1000km² und überlappten meist mit denen mehrerer Weibchen. So teilt ein Männchen sein Revier mit durchschnittlich zwei Weibchen. Gelegentlich können die Reviere der Männchen sogar bis zu 3000km² groß sein. Männliche Tiger verteidigen ihr Revier gegen Geschlechtsgenossen. Sie konzentrieren sich dabei auf die wichtigen Grenzen zu den Revieren der Weibchen und Stellen mit gutem Beutetierbestand. In den besten Tigerlebensräumen des fernen Ostens findet man etwa einen Tiger auf 100km². Sibirische Tiger sind vorwiegend nachtaktiv, ihre Lebenserwartung liegt zwischen 15 und 20 Jahren.

FortpflanzungBearbeiten

Da die Paarungszeit ganzjährig ist, signalisiert das Weibchen seine Paarungsbereitschaft durch Urinmarkierungen oder Kratzspuren an Bäumen. Manche Weibchen begeben sich sogar selbst auf Partnersuche, da die Reviere so groß sind und sie nur drei bis sieben Tage lang paarungsbereit sind. Findet ein Weibchen in dieser Zeit einen Partner, kommt es mehrmals zur Paarung und das Paar bleibt einige Tage zusammen, um sich dann wieder zu trennen.

Aufzucht der JungenBearbeiten

Nach einer Trächtigkeitsdauer von 95 bis 112 Tagen gebärt die Mutter drei bis sieben Junge. Die Neugeborenen öffnen nach etwa zwei Wochen das erste Mal die Augen und verlassen nach zwei Monaten zum ersten Mal ihr Versteck. Dann bekommen sie von der Mutter kleine Fleischstücke. Allerdings sind sie erst nach fünf bis sechs Monaten vollständig entwöhnt und starten erste Jagdzüge. Bereits mit einem Lebensjahr begeben sie sich selbstständig auf Jagd nach kleineren Beutetieren. Mit vier Jahren sind sie schließlich geschlechtsreif und verlassen ihre Mutter, um sich eigene Reviere zu suchen.

Gefährdung und BestandBearbeiten

Bestand und SchutzBearbeiten

In den 1930er Jahren betrug die Zahl der wildlebenden Sibirischen Tiger nicht mehr als 50 Tiere. Einige gehen sogar von nur 20 bis 30 Tigern aus. Durch die strengen Schutzbestimmungen stieg ihre Zahl bis 1982 auf etwa 200 Tiere an.

Schon 1975 wurde der internationale Handel mit Tigerteilen verboten. Seit 1987 besteht ein generelles Handelsverbot für Tigerprodukte und 1993 wurden Taiwan, China, Südkorea und Hongkong vor einem Handel mit Tigerknochen gewarnt.

In China wird der Sibirische Tiger wegen seinen Knochen gejagt. Der Jagddruck auf die Großkatze nahm am Anfang der 1990er Jahre stark zu. Der Tigerschutz war damals Aufgabe der lokalen Politiker, was der Grund dafür war, dass kaum Gelder aus dem fernen Moskau zur Verfügung standen. Die Ranger kämpften mit überholter Ausrüstung gegen gut organisierte Wildererbanden. Im Jahr 1993 verbot China den Binnenhandel mit Tigerknochen und 1995 wurden Tigerprodukte auf asiatischen Märkten nicht mehr offen verkauft. Dennoch ging der heimliche Handel weiter.

Ab 1993 machte sich Premierminister Wiktor Tschernomyrdin für den Sibirischen Tiger stark, und es wurden darüber hinaus internationale Gelder bereitgestellt. Schon im August 1994 gingen die gehandelten Knochenmengen zurück, die Presse konnte seitdem etliche Festnahmen vermelden.

Datei:Amurtiger und Junges.png

Bei einer Großzählung im Jahr 1996 hatte sich der Bestand wieder auf rund 430 Tiere stabilisiert. Die aktuelle großangelegte Zählung im Jahr 2005 ergab geschätzte 431 bis 529 Sibirische Tiger, darunter 334 bis 417 ausgewachsene und 97 bis 112 Jungtiere. Demnach blieb der Bestand in den letzten zehn Jahren stabil und zeigt sogar eine steigende Tendenz. Die Zählungen können allerdings fehlerhaft sein, da die Bestandszählungen mit Hilfe von Spuren im Schnee durchgeführt werden, die in ihrer Größe verglichen und verschiedenen Tigern zugeordnet werden. Dadurch können zwei Tiere gelegentlich für ein einziges gehalten werden. Problematischer ist aber die Tatsache, dass sich ein Fußabdruck schon nach einer Stunde der Sonneneinstrahlung um einen Zentimeter vergrößern kann. So können auch Zahlen entstehen, die über der tatsächlichen Bestandsdichte liegen. Da jedoch immer dieselbe Zählmethode angewendet wird, können zumindest relativ sichere Angaben über Trends in der Bestandsentwicklung gemacht werden.

Bei einem Gipfeltreffen zum Schutz der Tiger im November 2010 wurde beschlossen, dass die 13 Länder, in denen die Großkatzen heute noch frei leben, die Zahl der Tiger bis zum nächsten Jahr des Tigers (2022) verdoppeln sollen. Wildern soll verfolgt, Schmuggeln geächtet und die Kontrolle ausgeweitet werden.

Der Sibirische Tiger gilt als stark gefährdet. Die Jagd auf ihn ist in Russland, China und Korea verboten.

GefahrenBearbeiten

Neben dem Verlust des natürlichen Lebensraumes ist der Sibirische Tiger vor allem durch die Verringerung der Großwildbestände, die seine natürliche Nahrungsgrundlage bilden, bedroht. Da Fleisch für viele Menschen im fernen Osten Russlands kaum erschwinglich ist, wird im Lebensraum des Tigers viel gewildert.

Daneben stellt vor allem die Wilderei auf den Tiger selbst eine große Bedrohung dar. Da auf dem chinesischen Markt große Preise für Tigerknochen bezahlt werden, nehmen viele das Risiko einer Bestrafung auf sich. Auch die Felle sind nach wie vor begehrte Trophäen.

Datei:Amurtiger (3).png

Sibirische Tiger meiden den Menschen gewöhnlich und töten nur relativ selten Vieh. Allerdings reißen Sibirische Tiger, genauso wie Amurleoparden oft Farmhirsche, die in großen Gattern gehalten werden. Die Katzen unterscheiden offenbar nicht zwischen frei lebenden und zahmen Hirschen. Daher töten die Besitzer gelegentlich Raubkatzen, die sie in der Nähe ihrer Farmen antreffen. Mehr als 60% der Todesfälle von mit Sendern markierten Tigern wurden durch Menschen verursacht.

Der illegale großflächige Holzeinschlag stellt eine der Hauptursachen für den Verlust des Lebensraums des Sibirischen Tigers dar. Die großen offenen Rodungsflächen meidet der Tiger in der Regel und es dauert Jahre, bis sie wieder bewachsen sind. Außerdem stellen die Samen der Koreakiefer in vielen Gebieten die Nahrungsgrundlage für das Schwarzwild dar, auf das wiederum der Tiger angewiesen ist. In vielen Tigerrevieren durchschneiden große Rodungsschneisen die Urwälder.

Ein weiterer Faktor, der den Lebensraum des Sibirischen Tigers bedroht, sind Waldbrände. Künstlich entzündete Großfeuer sollen die Erträge auf den Feldern steigern, doch unglücklicherweise springen diese häufig auf angrenzende Wälder über und zerstören so die Lebensräume der Tiger. In einigen Gebieten wurden Wälder durch wiederholtes Abbrennen zu fast baumlosen Offengebieten, die für Tiger als Jagdrevier wenig geeignet sind. Möglicherweise wäre der Tiger ökologisch sogar in der Lage, sich diesem Lebensraum anzupassen, doch stellt er hier ein sehr leichtes Ziel für Wilderer dar und meidet schon aus diesem Grund solche Gebiete.

QuellenBearbeiten

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel „{{{1}}}“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom {{{2}}} [{{{3}}} (Permanentlink)] und steht unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC-BY-SA 3.0). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


Siehe auchBearbeiten

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