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Höglenlöwe

Panthera leo spelaea

Systematik
Ordnung: Raubtiere
Familie: Katzen
Unterfamilie: Großkatzen
Gattung: Eigentliche Großkatzen
Art: Löwe
Unterart: Höhlenlöwe
Allgemeines

MerkmaleBearbeiten

Die Überreste eines ausgewachsenen Höhlenlöwen-Männchens, die 1985 bei Siegsdorf gefunden wurden, wiesen auf eine Schulterhöhe von ca. 1,20 m und eine Kopfrumpflänge von 2,10 m hin. Das entspricht einem sehr großen heutigen Löwen. Der Siegsdorfer Löwe wurde von anderen Exemplaren des Höhlenlöwen noch um einiges übertroffen. Europäische Höhlenlöwen dürften demnach etwa 25 Prozent größer gewesen sein als heutige Löwen, erreichten aber nicht die enormen Ausmaße der Mosbacher Löwen (Panthera leo fossilis) und der Amerikanischen Löwen (Panthera leo atrox). Besonders eindrucksvolle Löwendarstellungen zeigen die Farbbilder der Chauvet-Höhle in der Ardèche in Südfrankreich und die Elfenbeinschnitzerei eines Löwen aus der Vogelherdhöhle in der Schwäbischen Alb in Süddeutschland. Steinzeitliche Darstellungen (etwa in der Chauvet-Höhle) zeigen Höhlenlöwen immer ohne Mähne, was ein Hinweis darauf sein kann, dass männliche Höhlenlöwen im Gegensatz zu ihren afrikanischen und indischen Verwandten mähnenlos waren. Außerdem zeigen diese Darstellungen oftmals die löwentypische Schwanzquaste. Das Fell scheint nach diesen Zeichnungen einfarbig gewesen zu sein.

LebensweiseBearbeiten

Löwen besiedelten Europa und Nordasien sowohl in den Warmzeiten als auch in den Kaltzeiten. In Mitteleuropa kamen die Höhlenlöwen auch während der maximalen Vereisung vor. Fossile Trittsiegel von Höhlenlöwen, die neben denen von Rentieren erhalten sind, weisen nach, dass diese Katzen mindestens bis in subpolare Zonen vorgedrungen sind. Ihre Nahrung bestand vor allem aus größeren Huftieren der damaligen Zeit, etwa Wildpferden, Hirschen, Wildrindern und Antilopen. In jungpleistozänen Ablagerungen des Rheins von Hessenaue bei Darmstadt wurde das Schienbein eines Höhlenlöwen gefunden, das trotz einer schweren Entzündung des Knochenmarks, die das Tier vorübergehend jagdunfähig machte, später wieder verheilt ist. Das Tier muss demnach noch längere Zeit mit dieser Behinderung überlebt haben. Das legt nahe, dass dieses Tier von Artgenossen an der Beute geduldet oder mit Futter versorgt wurde. Möglicherweise war der Höhlenlöwe also ähnlich wie heutige Löwen ein Rudeltier.

VerbreitungBearbeiten

In Europa erschienen Löwen erstmals mit der Unterart Panthera leo fossilis, dem sogenannten Mosbacher Löwen, vor ca. 700.000 Jahren. Die Tatsache, dass diese Mosbacher Löwen gelegentlich auch als Höhlenlöwen bezeichnet werden, kann zu Verwirrungen führen. Hier wird unter dem Begriff Höhlenlöwe daher ausschließlich Panthera leo spelaea verstanden. Mit einer Kopf-Rumpflänge von bis zu 2,40 Meter waren die Mosbacher Löwen etwa um einen halben Meter länger als die heute in Afrika vorkommenden Löwen. Aus dieser riesigen Unterart entwickelte sich schließlich der Höhlenlöwe (Panthera leo spelaea), der zum ersten Mal vor etwa 300.000 Jahren auftrat. Der Höhlenlöwe war weit über das nördliche Eurasien verbreitet und drang selbst während der Kaltzeiten weit nach Norden vor. Über die durch die Vereisung trockengefallene Bering-Landbrücke erreichte er auch Alaska. Von dort aus stieß er wahrscheinlich weiter nach Süden vor und entwickelte sich zum Amerikanischen Löwen (Panthera leo atrox). Der Höhlenlöwe verschwand mit dem Ende der letzten Kaltzeit vor etwa 12.000 Jahren, hielt sich aber möglicherweise auf der Balkanhalbinsel bis weit in die Nacheiszeit hinein. Bei diesen Löwen, die anscheinend noch zur Zeitenwende auf dem Balkan lebten, ist allerdings nicht geklärt, ob sie tatsächlich zur Unterart des Höhlenlöwen gehörten. Die jüngsten gesicherten Nachweise von Höhlenlöwen aus dem Gebiet des Lena-Flusses in Sibirien beziehungsweise aus Sigmaringen in Deutschland werden mittels Radiokohlenstoffdatierung auf ein Alter von etwa 12.500 Kohlenstoffjahren datiert (das absolute Alter in Kalenderjahren liegt etwas darüber).

Anders als beim Mosbacher Löwen, über dessen Klassifikation als Panthera leo fossilis immer Einigkeit bestand, war beim Höhlenlöwen lange Zeit umstritten, ob er dem Tiger oder dem Löwen zuzurechnen ist oder sogar eine eigene Art darstellt. Im Jahre 2004 ist es deutschen Wissenschaftlern gelungen, durch einen DNA-Test den Höhlenlöwen als Unterart oder zumindest als sehr nahen Verwandten des Löwen (Panthera leo) zu identifizieren. Dies wurde inzwischen bestätigt, wodurch ein seit der Erstbeschreibung im Jahre 1810 bestehender Streit geklärt werden konnte, ob es sich bei den Fossilien um die Überreste eines Löwen oder eines Tigers handelt. Dennoch bilden die pleistozänen Löwen des Nordens einen eigenen Rassekreis, dem die Löwen Afrikas und Südasiens gegenüberstehen. Zu dieser sogenannten spelaea-Gruppe zählen der Mosbacher Löwe (P. l. fossilis), der Höhlenlöwe (P. l. spelaea) und der Amerikanische Höhlenlöwe (P. l. atrox). Alle heutigen Löwenrassen gehören der leo-Gruppe an. Die beiden Rassekreise entwickelten sich wahrscheinlich vor etwa 600.000 Jahren auseinander [6]. Die Löwen Ostsibiriens und Beringias, die bisweilen als eigene Unterart (P. l. vereshchagini) betrachtet wurden, unterscheiden sich genetisch nicht von anderen Eurasischen Höhlenlöwen. Im Gegensatz dazu bestehen relativ deutliche genetische Unterschiede zwischen Amerikanischen Löwen südlich der glazialen Eisschilde einerseits und Eurasischen bzw. Beringia-Höhlenlöwen andererseits.


GalerieBearbeiten

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